Vortrag Der syndikalistische Frauenbund

Vortrag von Siegbert Wolf
über den syndikalistischen Frauenbund
am 07.06.2019 um 20:00 Uhr
im kleinen Saal
Nachbarschaftshaus Gostenhof,
Adam-Klein-Straße 6
90429 Nürnberg

 

Der Syndikalistische Frauenbund (SFB) war eine Fraueninitiative, die 1921 innerhalb der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) entstand und 1925 bis zu 1000 Mitglieder in verschiedenen Regionalverbänden hatte.
Der Frauenbund nahm Positionen ein, die von der Frauenbewegung nach 1968 wieder aufgegriffen wurden.
Eine der bekanntesten Frauen innerhalb des Frauenbundes war Milly Witkop.
Sie gaben sich schon Anfang der zwanziger Jahre eine programmatische Grundlage und riefen in Kooperation mit der Geschäftskommission dazu auf, reichsweit syndikalistische Frauenbünde zu gründen. Die meisten Ortsvereine existierten jedoch nur kurzweilig.
Die Frage danach, ob die Frauenbünde einen eigenen Produktionssektor darstellten oder auf der oben beschriebenen Konsumptionsebene organisiert gehörten, war in der Gesamtorganisation, wie in den Frauenbünden selber heftig umstritten. Der sich konstituierende „Syndikalistische Frauenbund“ (SFB) engagierte sich für Sexualhygiene, die legale Abtreibung und verstand sich auch als Ergänzung zu den ggf. streikenden Männern, welchen sie durch organisierte Boykottbewegungen zur Seite stehen wollten. Die Ansicht, als eigenständiger Produktionssektor agieren zu wollen, setzte sich nicht durch. Der Syndikalistische Frauenbund verfügte über das Organ „Der Frauenbund“, das als regelmäßige Beilage im „Syndikalist“ erschien. Charakteristisch für die syndikalistischen Frauen im Gegensatz zur übrigen Frauenbewegung war ihr stolzer Bezug auf ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter. Für die meisten syndikalistischen Frauen bedeutete Gleichberechtigung nicht die Maloche in der Fabrik, sondern die Anerkennung und Würdigung ihrer Arbeit im Haushalt und in der Kindererziehung. Dementsprechend bestimmten Themen in diesem Zusammenhang auch die syndikalistische Frauenpresse. Die Frauenbünde wurden nach Eigenangabe gerade wegen frauenspezifischer Themen gegründet, wohingegen berufstätige Frauen sich in den bestehenden Industrieföderationen organisieren sollten.

Obwohl ihre männlichen Genossen auch auf FAUD- Kongressen (dazu gab es sogar einen Kongressbeschluss) und von der Geschäftskommission aufgefordert wurden, dafür zu sorgen, an jedem Ort auch Frauenbünde mit aufzubauen, verweigerten Syndikalisten an vielen Orten ihre aktive Mitarbeit. Die Frauen beschwerten sich häufig sogar über regelrechte Boykotts seitens ihrer Genossen. Doch gab es auch Orte, an denen die Zusammenarbeit von Respekt und Solidarität gekennzeichnet war.

Als weiterer Bereich kann noch die FAUD-interne Kinderbewegung genannt werden, welche oft von den Frauenbünden betreut wurden. Als Organ erschien von 1928 bis 1930 der „Kinderwille“ mit einer Auflage bis zu 600 Exemplaren. Die Kinder sollten zu selbstbewusste gesellschaftsfähige Individuen erzogen werden, welche im Geiste gegenseitiger Hilfe und Solidarität heranwachsen zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten. Die anarcho- syndikalistischen Kinderorganisationen belegen noch mal den Anspruch, wirklich alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens zu einer organischen Einheit zu verbinden. Die meisten Kindergruppen waren jedoch nur von kurzer Lebensdauer.